Laufen zum Abnehmen: Der innere Schweinehund
MEIN innerer Schweinehund kann manchmal ein richtig wildes Tier sein. Wer beziehungsweise was mit der Bezeichnung gemeint ist, weiß wohl jeder, der schon mal eine Diät abgebrochen hat, weil besagter Schweinehund mit breitem Grinsen die Kühlschranktür aufhielt und den Blick direkt auf die Koteletts lenkte oder die Sahnenusstorte. Auch Einheiten im Fitnessstudio leiden unter diesem alles andere als possierlichen Tierchen, und so manch anderes Vorhaben erwies sich durch seine Einmischung als Seifenblase.
Der innere Schweinehund macht mit besonderer Begeisterung zielgerichtete Vorhaben zunichte, die eine gewisse Disziplin, Durchhaltevermögen und Willensstärke erfordern. Aber was genau passiert dabei eigentlich? Warum hat man das Gefühl, dass der Schweinehund immer größer wird, je eifriger man an seinem Plan festhält? Und warum fühlen wir uns so schwach und erniedrigt und doch irgendwie befreit, wenn wir schließlich nachgeben beziehungsweise aufgeben?
Der innere Schweinehund wächst und gedeiht umso freudiger, je mehr wir gegen ihn ankämpfen. Er ernährt sich von unserem Bemühen, ihn beiseite schieben zu wollen. Wir haben Angst vor ihm und wir geben ihm genau damit Macht. Das ist sein Geheimnis.
Ich habe meinem jetzt den Kampf angesagt. So geht es nicht mehr weiter, mittels regelmäßigem Laufen werde ich abnehmen. Eine Ernährungsumstellung alleine hat keinen großen Erfolg gebracht. Über die richtigen Lauftechniken muss ich mich allerdings noch informieren. Ich hoffe bei einem Besuch in der Buchhandlung ein gutes Laufbuch zu finden.
Wer sich dreimal in der Woche einen Fünf-Kilometer-Lauf vorgenommen hat und den inneren Schweinehund zu Hause anbinden muss, um überhaupt aufbrechen zu können, verliert sehr schnell viel Energie und hat auch bald einen Schuldigen gefunden, um sein Vorhaben nicht weiterführen zu müssen. Der Schweinehund war schuld. Also jemand anderes.
Wie wäre es denn, wenn man das aufdringliche und nervtötende Tier einfach mit nimmt? Ja, ich weiß, dass es dich gibt und dass du andere Vorschläge hast, was ich am frühen Morgen so alles machen könnte - zum Beispiel ausschlafen -, könnte man ihm zuraunen. Aber die frische Luft tut gut, und in einer guten halben Stunde kehren wir zurück, versprochen. Ein besänftigter Schweinehund klingt leiser, weniger eindringlich. Vielleicht schweigt er irgendwann für einige Minuten. Oder auch länger...