Der Aktienbrief - steht hier Ihr künftiger finanzieller Erfolg?
Der Aktienbrief ist ein durchaus umstrittenes Medium: Da sind am einen Ende, leicht erkennbar an marktschreierischer Wortwahl und überzogenen Versprechungen, die unseriösen Angebote. Seien es Email, Werbe-Link oder in ernsthafte Foren eingespielte Kommentare, die Masche ist simpel: Eine kaum gehandelte Aktie wird als „Geheimtipp” künstlich angeschoben und der Autor, der - zufällig - relevante Volumina erworben hat, verkauft mit Gewinn, bevor die Blase platzt. Am anderen Ende sind die - sollte man annehmen - seriösen Publikationen eingesessener Bankinstitute, die im besten Fall Trends andeuten, aber keine zuverlässigeren Glaskugeln besitzen als alle Anderen. Zudem kann der Kunde nie sicher sein, welche Verkaufslinie die jeweilige Bank über die verlautbare Geschäftsstrategie hinaus betreibt.
Von diesen Extremfällen abgesehen gibt es eine unüberschaubare Flut von Experten, die per Aktienbrief Trendvermutungen und Empfehlungen abgeben. Typische Plattformen, auf denen diese ihr Geschäft betreiben, sind bekannten Aktienportale - angeschlossen an Geschäftsbanken oder als unabhängige Marktplätze - oder freie (?) Berater, aber auch die Börsenplätze selbst. Der Themenfokus reicht vom Charttechniker, der mittels der Detailanalyse der Kurvenverläufe Widerstandsmarken identifiziert, bis hin zum Eingeweihten, der durch die Verknüpfung seiner Informationen aus Politik, Weltwirtschaft und Unternehmensgeschehen versucht, Prognosen zu stellen.
Es stellt sich eine einzige entscheidende Frage: Warum schreibt der Autor Ihres Aktienbriefes noch Aktienbriefe? Warum widmet er sich nicht, finanziell gesichert, mittlerweile anderen Obsessionen? Was Aktienbriefe können, ist Recherche: Zeitaufwendig Fakten zusammentragen und analytisch verknüpfen. Ist ein Aktienbrief weit genug verbreitet, vermag zuweilen das kollektive Leserverhalten Entwicklungen überhaupt erst veranlassen. Was Aktienbriefe nicht können: Sie machen niemanden reich, abgesehen vielleicht von ihren Autoren.