Pulsfrequenzuhr: pro oder contra?
Meine Nachbarin will es ganz genau wissen. Sie hat sich nach einer Laufbandanalyse nicht nur die allerneuesten Runningschuhe, mit Pronationsstütze, wie sie betonte, und ein Funktionsshirt mit passender Tight zugelegt, sondern auch eine schicke Pulsfrequenzuhr. Die misst nicht nur, ob man sich außerhalb seines angestrebten Trainingsbereichs befindet, um dann nervtötend herum zu piepsen, sondern zählt sogar Runden und verbrauchte Kalorien. Es soll sogar Pulsmesser geben, die die absolvierten Höhenmeter addieren. Ich gebe mich schwer beeindruckt, bin aber eher ein bisschen skeptisch. Ist das wirklich nötig?
Soviel Technik für einige Laufrunden am Morgen oder auch am Abend, die der Entspannung dienen sollen und dabei den Kalorienverbrauch hoffentlich ein wenig ankurbeln, scheint mir überflüssig. Aber meine Nachbarin sieht das anders. Sie sei immer viel zu schnell gelaufen, ohne es richtig wahr zu nehmen, erklärt sie mir bereitwillig. Und nach zehn Minuten sei ihr dann regelmäßig die Puste ausgegangen, manchmal auch erst nach einer Viertelstunde. Muskelkater habe sie auch dauernd gehabt und Seitenstiche. Ihr Ziel sei es, in einer guten Stunde 10 Kilometer zu laufen, ohne in Atemnot zu geraten. Dabei helfe ihr die Uhr. Ich werde neugierig.
In einem Laufladen mache ich mich schlau und erfahre einiges über Maximalpuls und Ausdauerpuls. Und genau Letzterer ist entscheidend, wenn man anstrebt, in einem gleichmäßigen Tempo längere Zeit zu laufen, seine Ausdauer zu trainieren und die Fettverbrennung zu steigern. Die Pulsfrequenzuhr wird auf die individuelle Werte und Bedürfnisse eingestellt und signalisiert Abweichungen. In der Tat - einen Puls von 120 oder 130 erreiche ich ziemlich schnell und fast ohne zu merken. Bei 150 habe ich immer noch das Gefühl, gerade mal etwas flotter unterwegs zu sein, aber die Pulsfrequenzuhr mahnt mich sofort, das Tempo zu drosseln. Und in der Tat - ich laufe nun ruhiger und bin länger unterwegs. 10 Kilometer sind eigentlich gar nicht so illusorisch…