Wechseljahre: Damals und heute

Es klang abschreckend und geheimnisvoll zugleich, wenn meine Mutter über die Jahre sprach, jene Jahre, meist mit einer Freundin oder mit ihrer Mutter, also meiner Großmutter, häufig im Flüsterton oder auch weinerlich entnervt. Das Thema war so weit weg für mich, dass ich nicht viel verstand, damals, aber immerhin doch soviel, dass sich mir der Eindruck einer umwälzenden und alles andere als angenehmen Lebensphase einprägte, die mit Hitzewallungen, Migräne und Herzrasen, schlechten Träumen, schlechter Laune, Falten und Gewichtszunahme verbunden war. Wie fürchterlich!

Ich fand es schon seinerzeit ziemlich ungerecht, dass offensichtlich nur Frauen von den Wechseljahren betroffen waren, sagte mir aber, dass schließlich auch nur Frauen die Periode bekommen. Und Kinder. Das hing wohl alles irgendwie zusammen, war aber noch Lichtjahre von mir und meinem Leben entfernt. Glücklicherweise.

Heute ist mir vieles klarer, unter anderem auch, dass Lichtjahre manchmal schneller vergehen als man sich vorstellen kann. Die Wechseljahre, das Klimakterium mit all seinen Auswirkungen sind seit Jahren ein vieldiskutiertes Thema in allen Medien, und es gehört zum modernen Ton selbstbewusster Frauen, diese Lebensphase weitaus lockerer zu nehmen, selbstverständlicher, ohne zu klagen und zu leiden. Wechseljahre und die Menopause sind keine Krankheit, sondern eine Chance, heißt es. Das Leben geht weiter, eben ein wenig anders. Umbruch und Aufbruch. Veränderung und Wandel.

Ja, es hat sich vieles verändert. Die Menschen werden älter. Wer heute mit Mitte Vierzig in die Wechseljahre kommt, kann noch mal so lange leben. Nur eben anders. Die Prioritäten verschieben sich. Es ist gut, wenn man/frau sich darauf einlässt und gespannt nach vorne blickt. Aber warum sollte man sich hin und wieder nicht auch ein wenig Melancholie erlauben, vielleicht angesichts der straffen Bikinifigur, die man vor zehn Jahren noch hatte? Oder vor zwanzig. Solange man nicht mit sinnlosen Diäten an einem jugendlichen Ideal festzuhalten versucht, sollte der vielleicht augenzwinkernde Rückblick erlaubt sein.